50 Jahre Freundschaft - 40 Jahre Partnerschaft



EINBLICKE UND AUSSICHTEN



Die Arbeit der Partnerschaftsvereine


Mit Unterzeichnung des Elysee-Vertrages im Jahre 1963 wurden Ende der Sechzigerjahre viele Städtepartnerschaften begründet als Ausdruck des ernstgemeinten Willens deutsch-französischer Freundschaft. Dass sich diese Partnerschaften über Jahre und Jahrzehnte positiv entwickelt haben ist zum großen Teil denen zu verdanken, die mit Begründung der Partnerschaftsvereine den regelmäßigen Austausch des Freundschaftsgedankens Rechnung getragen haben. Die gegenseitigen Besuche und die Unterbringung in den Familien stellen beide Seiten jedes Jahr vor neue Herausforderungen, die bis dato glänzend gelöst wurden. An sich sollte man meinen, dass die Euphorie mit den Jahren nachlässt - aber kein Gedanke daran. Die Mitgliederentwicklung im Partnerschaftsverein Waltenhofen-Plabennec, die seit Jahren konstant bei ca. 250 Mitgliedern lag, konnte im vergangenen Jahr auf 282 erhöht werden - und erfreulicherweise waren es eine Vielzahl an Jugendlichen, die sich dem Verein angeschlossen haben.

Und trotzdem haben nicht nur wir mit dem Nachwuchsproblem zu kämpfen - wie viele andere auch (selbst Sportvereine). Seit Jahren versuchen wir diesem Problem beizukommen. Da auch unsere französischen Partner das gleichgelagerte Problem haben, werden sich die Vorstände beider Seiten bei dem Besuch im Juli in Waltenhofen zu einem gemeinsamen Gespräch zu diesem Thema zusammensetzen. Die Frage bleibt: Wie kann man die jetzige junge Generation für die deutsch-französische Freundschaft begeistern?

Anreize gibt es reichlich - gemeinschaftliche Jugendveranstaltungen im Rahmen von Schüleraustausch und Begegnungen während des Besuch im jeweiligen Land. Eigene Jugendprogramme werden von den Partnerschaftsvereinen angeboten, die sich nicht nur an Kultur und Landschaft orientieren, sondern versuchen mit den Inhalten auf die J ugendlichen einzugehen. Die von vielen gefürchteten Sprachbarrieren bauen sich sehr schnell ab, weil eine Verständigung auch nonverbal erfolgen kann. Was Erwachsenen gelingt, sollte den Jugendlichen "locker" gelingen. Oftmals erlernt man eine Fremdsprache auf diese Art ganz nebenbei. Es ist wie vieles im Leben - man muss es nur einmal ausprobiert haben!


Bei einem Blick hinter die Kulissen kann man feststellen, dass die Partnerschaftsvereine nicht nur dazu da sind, Besucherprogramme einzurichten, sondern dass vielfältige andere Aktivitäten zu leisten sind. So betreuen wir regelmäßig Praktikanten aus der Bretagne - vorwiegend Mechatroniker im letzten Lehrjahr - die für 4 Wochen in Betrieben in Kempten die Arbeit in deutschen Werkstätten kennenlernen. Umgekehrt vermitteln wir mit Hilfe unserer französischen Freunde Praktikantenstellen im Umkreis von Plabennec. Voraussetzung hier ist allerdings, dass Grundkenntnisse Französisch erforderlich sind. Attraktiv aber dennoch, denn das deutsch-französische Jugendwerk unterstützt kräftig mit finanziellen Mitteln und kostenlose Unterkünfte werden über die Jumelage in Plabennec angeboten. Das Problem für die Partnerschaftsvereine liegt oftmals an den umfangreichen Anforderungen im Formularwesen. Dies trifft vor allem auf die Antragstellung öffentlicher Mittel aus Brüssel zu. Wenn für die Zulassung der Antragstellung erst ein Antrag ausgefüllt werden muss - dann wiehert der Amtsschimmel gewaltig - und vergrällt die Antragssteller. Für weitere Verunsicherung sorgt in zunehmenden Maße auch der Gesetzgeber, der in schneller Folge Änderungen vor allem im Bereich Datenschutz verfügt und uns zudem Rätsel aufgibt im Bereich "Recht am Bild" und "Urheberrecht". Aber diese Probleme sind nicht alleine Probleme der Partnerschaftsvereine. Für uns alle trifft zu, dass der Fortbestand der Vereine nur dann nachhaltig gesichert ist, wenn es genug Begeisterung für die "Sache" gibt. Ach ja - die Bezahlung ist auch ganz mies - wo wir doch als Vorstände "mit einem Fuß im Gefängnis stehen" (Originalzitat Vorstandschef a.D. Müller VW AG).

Jürgen Gröpper